Allgemein
Vita
Interview
Video
Anna Schellberg - Malerin

Paint or Die!

Anna Schellbergs fulminante Bildwelten zitieren diverse Stile, Genres und Techniken. Und entspinnen dank neuer Kontexte große Geschichten um bekannte und unbekannte Held*innen.

Menschen mit Haltung, Stärke und diesem gewissen Etwas: Das sind die Protagonist*innen in Anna Schellbergs Bildwelten. Indem die Hamburgerin Ikonen wie Frida Kahlo, Amy Winehouse und sogar Her Majesty, Queen Elisabeth II., auf ihre ganz eigene Art porträtiert, entspinnt sie völlig neue Geschichten um Wahrnehmung und Wahrheit. Womit die Hamburger Künstlerin, die früher auch als Journalistin tätig war, ihr Storytelling nun auf der Leinwand fortführt.

Den ausgeprägten Content verdanken Anna Schellbergs Werke dabei dem furiosen Spiel mit Ideen, Materialien und Techniken, die in hochkomplexen Kompositionen gipfeln. Mit Versatzstücken aus Collage und Decollage, Graffiti, Drippings und Fragmentierungen bricht sie das oberflächlich Schöne, uns Vertraute, aber auch stets Formelhafte auf, verfremdet es - und konstruiert daraus Schicht für Schicht gänzlich neue Ansichten, Kontexte und Konnotationen. So vermag sie es Marilyn Monroe, abonniert auf Schönheit und Sexappeal, in einer puristischen Schwarz-Weiß-Komposition zu einem geradezu existenzialistischen, Sartre-gleichen Wesen zu transformieren, das über Intellekt und Tiefgründigkeit verfügt. Und so verweist der Bildtitel nicht von ungefähr auf den historisch verbrieften Tatbestand, dass MM am Filmset einst „Ulysses“ von James Joyce zur ihrer bevorzugten Lektüre zählte.

Unbekannten Schönheiten, denen Anna Schellberg auf einer ihrer vielen Reisen begegnete, wiederum huldigt sie mit einem höchst impulsiven Stil, der sich durch leuchtende Farbeffekte, pastose Malerei und ekstatische Hintergründe auszeichnet. Während Augen und Lippen den einzigen Fixpunkt markieren, setzt sich die Restphysiognomie aus undefinierten, divers colorierten Farbbalken zusammen, die sich wie aus Zauberhand zu einem erkennbaren Antlitz zusammenfügen. Anna Schellberg konstruiert aus gegenständlichen und abstrahierten Versatzstücken ein harmonisches Ganzes, das trotz des bewusst Artifiziellen anmutig real erscheint.

Ihrer Heimat Hamburg erweist sie mit der Ikonisierung berühmter Persönlichkeiten wie Hans Albers und Udo Lindenberg sowie fotografischen wie typografischen Bezügen eine ganz eigene Referenz.

Vordergründig der Urban- und Street Art zugehörig, zitiert Anna Schellberg in ihren Arbeiten ebenso den Pointillismus und die Affichisten wie Pop Art. Statt eines Pinsels bedient sie sich Kredit- sowie ausrangierter Keycodekarten, die sie wegen ihrer flexiblen Handhabung schätzt. Inspirieren lässt sie sich auf Reisen, wo sie neben Motiven auch Materialien findet, die sie in ihre Porträts bekannter wie unbekannter Heldinnen und Helden einarbeitet.

Anna Schellberg lebt und arbeitet in Hamburg. Sie studierte zunächst Germanistik und Amerikanistik in Hannover, später Malerei, Literatur und Journalismus an der University San Angelo in Texas/USA. Ihre Werke wurden in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, darunter in London, Marbella und Berlin. 2017 nahm sie an der XI. Biennale in Florenz teil.

Anna Schellberg - Malerin

2020

Hope Gallery, West Yorkshire (England)

Artbase Urban Art Festival , Neustrelitz

Soloausstellung in der 30works-Galerie, Köln

2019

Kempinski Bahia Hotel, Estepona (Spanien)

Malmaison, Birmingham (England)

Amàre Beach Hotel, Marbella (Spanien)

2018

Kultur-Späti, Berlin

Doubletree by Hilton, Fuengirola (Spanien)

2017

Biennale Florenz (Italien)

Anna Schellberg - Malerin

30works: Hamburg ist für mich...

Anna Schellberg: Die (fast immer) schönste Stadt der Welt!

30works: Du bist viel in der Welt herumgekommen und hast viel gesehen. Welche Länder stehen noch auf Deiner Bucket-List?

Anna Schellberg: Myanmar (ohne Militärdiktatur), Südafrika, Uruguay und Argentinien.

Du könntest eine Zeitreise unternehmen. Welche Epoche wählst Du?

Die Zeit der 68er-Bewegung in Deutschland – da wäre mir bestimmt nicht langweilig gewesen.

Würde man Dein Werk in einem Song wiedergeben wollen -  welcher Song wäre das?

Temperamentvoller „Crossover Latin Pop“ – es fällt es schwer, einen einzigen Song zu nennen.

Was macht guten Stil für Dich aus?

Do what you say – say what you do!

Deine liebste Kindheitserinnerung?

Eisessen am Elbstrand

Drei Personen aus der Historie dürften Dich in Deinem Atelier besuchen. Wer bekommt Zutritt?

Keiner. Die stören nur bei der Arbeit.

Deine favorisierte Film -oder Serien-Heldin?

Pippi Langstrumpf

Bevorzugst Du Stille oder Musik bei der Arbeit?

Beim Arbeiten habe ich einen Tunnelblick, nehme nichts anderes wahr. Daher keine Musik.

Welche Künstler haben Dich inspiriert bzw inspirieren Dich?

Conor Harrington, Francis Bacon, die jüngere Joan Baez.

Wenn Du als Tier wiedergeboren würdest – als welches kämst Du auf die Erde zurück?

Als Oktopus – da hätte ich auch beim Malen noch ein paar Arme frei.

Welcher Künstler sollte Dein Porträt für die Nachwelt anfertigen?

Keiner – so wichtig bin ich nicht.

Welches Buch hat Dich zuletzt begeistert?

„Shantaram“ – Schlüsselroman von Gregory Roberts, einem ehemaligen heroinabhängigen Bankräuber aus Australien, der aus dem Gefängnis ausbrach und nach Indien floh, wo er über 10 Jahre lebte

Dein bestes Live-Konzert ever?

Bruce Springsteen & the E-Street Band, Leipzig im Jahr 1999

Wie haben Deine Eltern reagiert, als Du Dich für ein Künstlerdasein entschlossen hast?

Ich habe mich mehr fürs Hiersein entscheiden als fürs Dasein. Sie haben meine „Reise“ aber immer neugierig begleitet.

Viele Künstler sind exzellente Köche. Deine besten Küchenkreationen?

Scharfe, indische Curries – sozusagen Kochen nach Farben. Mit vielen frischen, roten Chillies (und alle Kerne bleiben drin!)

Malt man besser (oder anders), wenn man verliebt ist?

Die einen sagen so, die anderen sagen so…

Mit wem würdest Du gerne ein gemeinsames Werk schaffen?

Mit Conor Harrington. Sehr wahrscheinlich würde ICH dabei gar nichts auf die Reihe bekommen, sondern nur staunen, staunen und staunen!

Wäre Dein Werk Literatur, hätten wir es dann eher mit Lyrik, Prosa oder Drama zu tun?

Reportage als epische Kleinform.

Welche Pflanze spiegelt Deinen Sinn für Schönheit am ehesten wider?

Sonnenblume

Elon Musk sponsert Dir ein Ticket zum Mars. Traum oder Horrorvorstellung?

Kann er behalten.

Was war das Verrückteste, was Du je getan hast?

Diesen Fragebogen ausfüllen.

Viele, auch einige der berühmtesten Künstler, taten sich mit der Darstellung von Händen schwer. Welches Körperteil stellt für Dich die größte Herausforderung dar?

Füße.

 

(30works Interview mit Anna Schellberg)

Anna Schellberg - Malerin
Zurück zur Künstlerübersicht
cross