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Kerstin Dzewior - Malerin

Altmeisterlich, spannungsgeladen und höchst berührend: Die Bildwelten der Berlinerin bestechen durch impressionistische Anleihen.

Ein Mädchen, das im leeren Raum balanciert und eine Girlande hält. Eine feiernde Männerrunde, die an einer eklektischen Tafel aus Kuchen und Meerestieren sitzt: Die Bildwelten von Kerstin Dzewior sind Enigmen, die Fragen aufwerfen und unsere Fantasie beflügeln. Was hat es mit den Figuren auf sich? Wo befinden sie sich? Was passiert hier?

Die leicht ausgeblichene Anmutung und eine mitunter impressionistische Allure gipfeln in Stimmungsbildern, die retrograd und damit wie aus der Zeit gefallen wirken. Das spiegelt sich wahlweise in den Requisiten, Kostümen oder Posen von Kerstin Dzewiors Figuren wieder und wird durch das Offenlassen des Hintergrunds verstärkt, der jegliche Raum- und Zeitzuordnung erschwert, unterdrückt – oder sie gar anachronistisch besetzt. So stellt sie ihrer in der Jetztzeit verorteten Party-Herrenriege ein Mahl zur Seite, das die klassischen Stillleben aus dem 17. Jahrhundert zitiert. Oder sie greift die Porträtkunst im Stil von Édouard Manet und Gustave Courbet auf, stellt ihre seltsam antiquiert gewandten Figuren jedoch in hochaktuelle sozio-kulturelle Kontexte.

Ihre zeitgenössischen Mädchenfiguren wiederum verankert sie im leeren Raum, was sie ganz bei sich selbst sein lässt. Ihnen jedoch ob ihrer Entrücktheit und Unbedarftheit eine implizite Bedrohung unterstellt. Die Losgelöstheit von zeitlicher wie räumlicher Dimension, von erkennbaren Kontexten und Bezügen, lässt sie in einem Vakuum schweben, hinter dem eine leise Gefahr zu lauern scheint. Womit diese Bilder eine ominöse Spannung aufwerfen und unser sinnbildliches Kopfkino in Gang setzen.

Kerstin Dzewior beschwört in ihren Gemälden die Schönheit und Unbeschwertheit der Adoleszenz, zugleich macht sie die Unsicherheit, die Verletzlichkeit und die „Unfertigkeit“ ihrer Figuren sichtbar. Nicht mehr Kind, noch nicht wirklich Frau: Ein weiteres Vakuum, das die Künstlerin wiederholt virtuos auslotet und der Frage nach Identität überstellt.

Dzewiors herausragendes Talent besteht darin, ihre Instinkte, Gedanken und Gefühle in einem intuitiven, hochempathischen Malprozess auf ihre Figuren zu übertragen und zur Disposition zu stellen. Was sich auf Seiten des Betrachters zu einer sinnlichen Erfahrbarkeit der Motive steigert.

Längst sind die Ölgemälde der Berliner Autodidaktin zu begehrten Sammlungsobjekten geworden; was nicht zuletzt der Fürsprache von Künstlerkolleg*innen und Kurator*innen wie Jonas Burgert, Andreas Mühe und Constanze Kleiner geschuldet ist.

Kerstin Dzewior lebt und arbeitet in Berlin. Sie malt seit ihrer Kindheit und machte sich neben ihrer Tätigkeit als Optikermeisterin als freischaffende Künstlerin selbständig. Ihre Werke wurden bereits auf der Position Berlin Art Fair gezeigt und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten.

Kerstin Dzewior - Malerin

2020

Beyond Elysium, Ausstellung, Berlin

Position, Berlin Art Fair, Messebeteiligung, Berlin

Pop UP Art Season, Ausstellung, Berlin

The Matter Of Duality, Gruppenausstellung, Berlin

2019

bonum et malum, Ausstellung, Berlin

Round Table 5, Kunstauktion, Berlin

Open Atelier / Werkschau, 2016-2019, Berlin

artspring dezentral, Ausstellung, Berlin

Aktion- Auktion, Kunstauktion, Berlin

UNDER THE UNDERGROUND, Ausstellung, Berlin

2018

rt5, Kunstauktion, Berlin

FO YOU V, Gruppenausstellung, Berlin

NGORONGORO II, Gruppenausstellung, Berlin

2017

rt5, Kunstauktion, Berlin

FO YOU IV . Voluntary Art Liaison, Gruppenausstellung, Berlin

Schlachthaus.fresh&fine art, Berlin

-Enter Art Foundation, initiated by Suzy Royal and Till Wald / Berlin

2016

FO YOU II & III . Voluntary Art Liaison

2015

FO YOU I . Voluntary Art Liaison

2014

Giftshop // 58 Kunstwerke, Berlin

Kerstin Dzewior - Malerin

30works: Wenn Du nicht in Berlin leben würdest, dann am ehesten...?

Kerstin Dzewior: In der Uckermark.

30works: Sind Frauen tatsächlich die besseren Musen?

Kerstin Dzewior: Auf jeden Fall!

Welche Eigenschaften schätzt Du bei einem Menschen am meisten?

Zuverlässlichkeit, Herzlichkeit, Humor.

Und welche findest Du am schlimmsten?

Unzuverlässlichkeit, Missgunst, Unfreundlichkeit.

Du könntest eine Zeitreise unternehmen. Welche Epoche wählst Du?

Natürlich die 1920iger Jahre.

Drei Personen aus der Historie dürften Dich in Deinem Atelier besuchen. Wer bekommt Zutritt?

Jeanne d`Arc, Lee Miller und Leonardo da Vinci.

Bevorzugst Du Stille oder Musik bei der Arbeit?

Ich mag sanfte, elektronische Musik im Atelier.

Hast Du eine Marotte, einen Spleen, was Deine Arbeit betrifft?

Ich übermale viel. Sehr viel.

Im Atelier trage ich am liebsten...

Bequeme Klamotten und einen Arztkittel;-)

Welcher Song würde Dein Werk am ehesten widerspiegeln?

Wahrscheinlich ein elektronischer, ohne Gesang.

Wenn Du als Tier wiedergeboren würdest – als welches kämst Du auf die Erde zurück?

Als schwarzer Panther.

Welcher Künstlerkollege sollte Dein Porträt für die Nachwelt anfertigen?

Alfons Mucha.

Welches Buch hat Dich zuletzt begeistert?

”Mr.Gwyn” von Alessandro Baricco.

Dein bestes Live-Konzert aller Zeiten?

Buraka Som Sistema.

Welcher Film bringt Dich zum Weinen?

The Broken Circle Breakdown von Felix Van Groeningen aus dem Jahr 2012.

Viele Künstler sind exzellente Köche. Deine beste Küchenkreation?

Hühnersuppe.

Malt man besser, wenn man verliebt ist?

Bestimmt!

Mit wem würdest Du gerne ein gemeinsames Werk schaffen?

Michaël Borremans.

Wäre Dein Werk Literatur, hätten wir es dann eher mit Lyrik, Prosa oder Drama zu tun?

Prosa.

Welche Pflanze spiegelt Deinen Sinn für Schönheit am ehesten wider?

Die Lotusblume.

Elon Musk sponsert Dir ein Ticket zum Mars. Traum oder Horrorvorstellung?

Ganz klar Horror!

 

(30works Interview mit Kerstin Dzewior)

Kerstin Dzewior - Malerin
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