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Melanie Tilkov, Malerin

Die Frauenporträts von Melanie Tilkov sind vollständig dem Moment verhaftet; und ziehen genau aus der Transitorik des Augenblicks ihre Eindringlichkeit und ihre Aura.

Der Kern des Seins: Melanie Tilkovs Porträts legen den Raum zwischen physischer Präsenz und emotionaler Verortung frei.

Es ist die Verweigerung der klassischen Pose, die die Frauenbildnisse von Melanie Tilkov prägen. Ihre Heldinnen scheinen vollständig dem Zufallsmoment verhaftet, in etwas vertieft oder gar schlafend - und ziehen genau aus der Transitorik dieses einen, beiläufigen Augenblicks ihre Eindringlichkeit und Aura. Dabei suchen sie nicht den Blick des Betrachters, genauso wenig wie sie ihm auszuweichen gewillt sind. Vielmehr rührt ihre Entrücktheit, ihre unbeteiligte Haltung daher, dass sie sich des stillen Dialogs mit dem Rezipienten gar nicht bewusst sind.

Indem sie ihre Figuren in intimen Situationen einfängt, verleiht Melanie Tilkov ihnen zugleich etwas Souveränes wie Verletzliches, etwas Kontemplatives wie Unverstelltes – und vermag mit der virtuosen Bannung jenes Moments, wo sie ganz bei sich scheinen, die Tür zu einer Zwischenwelt aufzustoßen. Hinter ihren Blicken, ihrer subtilen Mimik, ihrer leisen Körpersprache zeigt die Künstlerin den Raum zwischen physischer Präsenz und emotionaler Verortung auf. Und schafft es damit zum Kern ihres Seins vorzudringen.

Durch das Mise-en-scène vor wahlweise reduziert-abstrahierten oder expressiv-ornamentalen Hintergründen erfahren Tilkovs Frauenfiguren noch mehr Komplexität und Tiefe; was auch dem Einsatz von Gobelins und Drucken als Bildträgern geschuldet ist, die dem ätherischen Momentum materielle Dichte und Stofflichkeit entgegensetzen.

Die Umgebung bleibt meistens undefiniert. Stattdessen kleidet die Künstlerin den abstrahierten Raum in wahlweise monochrome oder konstrastierende Farbschleier, die einen Weichzeichnereffekt evozieren. Und dank der impliziten Farbsymbolik eine gezielte Stimmung aufwerfen. So muten manche von Tilkovs Arbeiten träumerisch, ja somnambul an, andere wiederum dynamisch oder dramatisch. Die Farbe wird somit zu einem inhaltlichen wie strukturellen Verstärker des Bildgeschehens. Und dient dazu, die Figuren emotional zu verorten.

Prägnant sind die Kopfbedeckungen, häufig Turbane, die ihre Modelle zieren. Mit diesem Rückgriff auf ein Sujet der Orientalisten mystifiziert Melanie Tilkov ihre Frauenfiguren, überhöht sie stilistisch und schürt zusätzliche Neugier beim Betrachter. Der Blick auf das Haar, ein Ursymbol von Weiblichkeit und Sexualität, wird uns verwehrt; mit dem Ziel, den Fokus nicht auf die Objektivierung, die äußere Hülle, sondern vielmehr die Subjektivierung, die Seele, zu legen.

Melanie Tilkov lebt und arbeitet in Monheim. Sie studierte Malerei und Bildhauerei an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen und schloss als Meisterschülerin ab. Sie war als Dozentin tätig und ging einem Lehrauftrag für Kunst an einem Gymnasium in Monheim nach. Ihre Arbeiten wurden bereits im Kunsthaus Braunschweig, auf der Art Straßburg und im „Grand Salon“ der Villa Berberich gezeigt.

Melanie Tilkov, Malerin

2020

Discovery Art Fair, Messebeteiligung, Frankfurt

Figuration-Abstraktion-Körperbilder, Gruppenausstellung, Wiesbaden

Andere Zeiten, Gruppenausstellung, Daun

Female Positions, Gruppenausstellung, 30works-Galerie, Köln

Die Vielfalt des Verborgenen - neue Bilder, Einzelausstellung, Daun

Grand Salon, Teilnahme an kuratierter Ausstellung Bad Säckingen

2019

Discovery Art Fair, Messebeteiligung, Frankfurt

Morrocan Salon of Fine Arts, Gruppenausstellung, Fez (Marokko)

3komma8, Gruppenausstellung, Tetouan (Marokko)

5. Grand Salon, Gruppenausstellung, Bad Säckingen

2018

einBlick, Gruppenausstellung, Solingen

Gruppenausstellung mit Christoph Jacob, Wiesbaden

Grand Salon, Gruppenausstellung, Bad Säckingen

2017

Art Straßburg, Messebeteiligung, Straßburg

Sommer KUNST Fest - Sommeraccrochage, Daun

Projekt einBlick, Gruppenausstellung

Sinn-Bilder, Soloausstellung, Daun

Human Nature, Gruppenausstellung, Dahn

Grand Salon, Gruppenausstellung, Bad Säcingen

2016

Galerieeröffnung, Gruppenausstellung, Darmstadt

Art Bodensee, Messebeteiligung, Österreich

Mehr, als man sieht, Gruppenausstellung, Wiesbaden

einBlick, Gruppenausstellung, Essen

After Show, Gruppenausstellung, Daun

Beteiligung an kuratierter Ausstellung im Schloss Elbroich

2015

Weiß, Gruppenausstellung, Duisburg

Five Positions, Gruppenausstellung, Remagen

Es ist, was es ist, Soloausstellung, Köln

3komma8, Gruppenausstellung, Daun

Von Licht und Schatten - Allzu Menschliches, Soloausstellung, Braunschweig

Kölner Liste, Messebeteiligung

Personality Show, Soloausstellung, Hude

AKT Now!, Gruppenausstellung, Wiesbaden

2014

Logbuch 2014, Gruppenausstellung, Jena

Kunst Zürich, Messebeteiligung

Contemporary Art Ruhr, Messebeteiligung

Vom Sein und Verschwinden, Soloausstellung, Daun

Überwiegend weiblich, Soloausstellung, Weinheim

Menschenskind!, Soloausstellung, Altena

2013

Gallery's choice, Gruppenausstelung, Düsseldorf

Soloausstellung, Bad Bentheim

vom Sehen und Fühlen, Soloausstellung , Konz

von Kindern und Kühen, Soloausstellung Bad Hersfeld

Los of Art, Soloausstellung, Bottrop

Abschluss Studium an der fadbk/HbK Essen, Meisterschüler der Akademie

2012

Vom Wachsen und Wuchern, Soloausstellung, Köln

Schichtungen, Soloausstellung, Langenfeld

Freitag der 13, Gruppenausstellung

2011

100 Tage Kunst, Düsseldorf

 

Melanie Tilkov, Malerin

30works: Schönheit ist für mich...?

Melanie Tilkov: Schön ist für mich, wenn etwas oder jemand „leuchtet“.

Das kann sein, weil ein Anblick in der Natur wie ein Stück Ewigkeit wirkt, oder wenn ein Mensch etwas von sich preisgibt, ehrlich ist und dabei ganz authentisch, ganz bei sich ist - das macht schön. Ernsthaftigkeit, Klugheit und Empathie finde ich bei Menschen sehr schön, es verändert sie auch im Ausdruck. Mit dem üblichen Begriff für menschliche Schönheit kann ich wenig anfangen, perfekte Schönheit ist für mich langweilig, weil es da keine Dissonanz gibt.

Oder anders gesagt: Licht kann es nur geben, wenn auch Schatten da ist.

30works: Welche Frau aus der Geschichte hättest Du gerne porträtiert?

Melanie Tilkov:  Rosa Parks.

Trägst Du selbst gerne Hut, Turban oder ein Tuch im Haar...?

Nur, wenn ich arbeite. Ein Turban oder ein Tuch sind dann toll. Und ungeheuer praktisch.

Du könntest eine Zeitreise unternehmen. Welche Epoche wählst Du?

Die Zeit der Spätrenaissance und des Barocks.

Drei Personen aus der Historie dürften Dich in Deinem Atelier besuchen. Wer bekommt Zutritt?

Johannes Vermeer, Paula Modersohn-Becker und Lovis Corinth.

Bevorzugst Du Stille oder Musik bei der Arbeit?

Mal so, mal so. Es gibt Phasen der Ruhe, aber auch Phasen, wo ich etwas Musik brauche.

Womit belohnst Du Dich nach einem langen Tag im Atelier?

Mit einem ausgiebigen Spaziergang in die Natur, mein Hund darf dabei nicht fehlen. Das hilft aufzutanken. Oder mit einem guten Essen zusammen mit Freunden.

Wenn Du als Tier wiedergeboren würdest – als welches kämst Du auf die Erde zurück?

Als Vogel.

Welches Buch hat Dich zuletzt begeistert?

„Laufen“ von Isabel Bogdan

Wie hat Deine Familie reagiert, als Du Dich für das Künstlerdasein entschlossen hast?

Meine Eltern waren skeptisch, der Rest der Familie war sehr positiv eingestellt und unterstützend, besonders mein Mann.

Viele Künstler sind exzellente Köche. Deine besten Küchenkreationen?

Currys und Eintöpfe, aber auch ganze Menüs, wenn Freunde kommen.

Mein Mann und ich kochen dann zusammen.

Malt man besser, wenn man verliebt ist?

Die Qualität sollte, wenn man sich als KünstlerIn gefunden hat, immer recht gleich sein, das gehört für mich zu einer professionellen Arbeit.

Mit wem würdest Du gerne ein gemeinsames Werk schaffen?

Allgemein könnte ich mir eine Kooperation mit Musikern sehr gut vorstellen.

Wäre Dein Werk Literatur, hätten wir es dann eher mit Lyrik, Prosa oder Drama zu tun?

Prosa mit lyrischen Aspekten

Welche Pflanze spiegelt Deinen Sinn für Schönheit am ehesten wider?

Löwenmäulchen und Vergissmeinnicht, aber auch alte Rosensorten, Farne und, wenn ich „größer“ denke, eine Waldlichtung oder eine Wildblumenwiese.

Elon Musk sponsert Dir ein Ticket zum Mars. Traum oder Horrorvorstellung?

Horror, definitiv! Technik ist etwas, was mir eher Angst macht, und für ferne Welten sehe ich mir lieber Science-Fiction-Filme an.

Was war das Verrückteste, was Du je getan hast?

Ich habe in meinem Leben schon sehr viele Berufe gehabt. Immer wieder neu zu starten, um dann, schlussendlich, auch noch Kunst zu studieren, das war für mich schon etwas Besonderes und irgendwie auch verrückt. Aber es war auch eine meiner besten und wichtigsten Entscheidungen.

Und, wie heißt es so schön: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“.

 

(3oworks Interview mit Melanie Tilkov)

Melanie Tilkov, Malerin
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