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Mo Kilders - Malerin

Die Großstadt als auratischer Topos: Mo Kilders verdichtet urbane Räume zu sensitiven Identifikationsflächen.

Die Magie eines Moments, die Flüchtigkeit einer Bewegung, die spezielle Atmosphäre an einem konnotativ besetzten Ort: Mo Kilders gelingt es, das Transitorische einzufangen. Und eigentlich nicht fassbare Phänomene visuell und emotional erfahrbar zu machen.

Ob entspannte Flaneure, emsige Business-People oder junge Street-Basketballer – die Kölner Künstlerin beobachtet Menschen bei Aktivitäten im urbanen Mikrokosmos, der in der Betrachtung zum auratischen Raum wird. Die Dynamik und Emotionalität, die ihre Werke transportieren, sind dabei ihrem eigenen Erleben geschuldet; und werden beim Übersetzen von der Fotovorlage auf die Leinwand zur Inszenierung eines einzigartigen, nicht wiederholbaren Moments. Dabei arbeitet Mo Kilders mit den Mitteln der Dualität: Dem Figurativen, Realistischen ihrer Bildwelten stellt sie Elemente von Fragmentierung, Deformation und Abstraktion gegenüber. Der naturalistischen Physis ihrer Menschendarstellungen begegnet sie mit virtuosen Spiegelungen, Schattenrissen und Unschärfen, die zu tragenden Bildelementen werden. Durch den Ausschnittcharakter, die implizite Mobilität sowie die unmittelbare, frontale Fixierung der Figuren muten Mo Kilders Bildwelten weniger als Porträts, denn als Freezes, Stills bzw. das Substrat eines inszenierten Zufalls an.

Der Vorgang auf der Leinwand wird zu einem Erlebnis, das für den Betrachter gleichsam identitätsstiftend wie voyeuristisch ist. Einerseits sieht er eine Szenerie, einen inszenierten Topos, der sich der reinen Ästhetik, der künstlerischen Relevanz und der Beständigkeit verschreibt. Andererseits wird er zum heimlichen Zeugen einer Szene, die ihm fremde, jedoch auf eine unerklärliche Weise auch vertraute Menschen in einem nicht wiederholbaren, scheinbar beiläufigen Moment zeigt. Ein Moment, dem damit etwas äußerst Fragiles und Intimes anhaftet.

Zudem sind Mo Kilders Figuren häufig aus der Frontalen oder einer Vertikalperspektive dargestellt, was den Effekt der stillen Beobachtung weiter verstärkt. Gleichzeitig ermöglichen ihre Bildwelten dem Betrachter die Teilnahme am Geschehen, indem sie ihn unweigerlich in die Aktion miteinbeziehen und ihn das Großstadtgefühl nachempfinden lassen. Man meint, die Luft, die Geräusche, den Geruch der Szenerie förmlich einsaugen und spüren zu können. Und wähnt sich plötzlich selbst inmitten des urbanen Raums, der ungebrochene Faszination ausstrahlt.

Spiegeln ihre Gemälde nun zufällige Momente wider, oder sind sie doch eher das Produkt eines virtuosen Mise-en-scène? Die Antwortet lautet: Sowohl als auch. Und so bezeichnet die Künstlerin ihre Malerei als „einen Prozess aus Steuerung und Raum für Zufall“.

Mo Kilders lebt und arbeitet in Köln. Die studierte Germanistin und Textilgestalterin absolvierte ein Masterstudium der Freien Kunst an der Kunstakademie Artefact Bonn. Ihre Werke wurden u.a. im Edith Stein Museum in Lubiniec/PL, in der BBK Düsseldorf und im Kunstraum Bad Honnef gezeigt.

Mo Kilders - Malerin

2020

Swimmers, Soloausstellung, Sylt

Kilders&Seyd, Gruppenausstellung, 30works-Galerie, Köln

2019

Pieces of Nature, Soloausstellung, Remagen

Dynamic Light, Soloausstellung, Köln

Summer in the City, Soloausstellung, Bad Honnef

2018

Köln Süd offen, Soloausstellung, Köln

Face to Face, Gruppenausstellung, Edith Stein Museum, Lubliniec (Polen)

Kulturfrühs(c)hoppen mit Kunst, Musik und Literatur, Gruppenausstellung, Köln

In Bewegung, Gruppenausstellung, Wesseling

2017

Licht-Bilder, Soloausstellung, Köln

2016

Piccolo, Gruppenausstellung, Troisdorf

NEUE 2016, Gruppenausstellung, Remagen

Parellel, Gruppenausstellung, Düsseldorf

2015

Artpul Kunstmesse im Walzwerk, Pulheim

Ausstellung der Nominierten für den Kunstpreis, Gruppenausstellung, Wesseling

Unterwegs, Soloausstellung, Wesseling

2013

In einem anderen Licht, Soloausstellung, Köln

Abschlussausstellung (Gruppenausstellung), Köln

2012

Das Buch in der Kunst, Gruppenausstellung, Köln

Gruppenausstellung mit Helga Hahn, Köln

Neues aus der Kölner Szene, Gruppenausstellung, Köln

2010

Seither

Teilnahme an den offenen Ateliers des BBK Köln

2009

Menschen - Schatten - Schattenmenschen, Soloausstellung, Köln

2008

Momente, Soloausstellung, Köln

2007

Nichts als Bilder, Soloausstellung, Köln

Mo Kilders - Malerin

30works: Welches Land hat Dich auf Deinen Reisen am meisten beeindruckt?

Mo Kilders: Marokko.

30works: Wenn Du einen alternativen Lebensmittelpunkt zu Köln wählen könntest: Wo wäre der?

Mo Kilders: New York.

Wenn Dich ein Modelabel zwecks einer Kooperation anfragen würde: Welches Modelabel sollte es sein?

Iris von Arnim. Oder auch Jil Sander.

Du könntest eine Zeitreise unternehmen. Welche Epoche wählst Du?

Die Zeit des Barock.

Drei Personen aus der Historie dürften Dich in Deinem Atelier besuchen. Wer bekommt Zutritt?

Barack Obama, Gerhard Richter und Edward Hopper.

Bevorzugst Du Stille oder Musik bei der Arbeit?

Stille.

Womit belohnst Du Dich nach einem langen Tag im Atelier?

Wahlweise auf der Liege im Garten unterm Apfelbaum oder beim Schmökern im Sessel.

Welche Künstler haben Dich inspiriert bzw. inspirieren Dich?

Sandro Botticelli, Edward Hopper, Joni Mitchell, Stevie Nicks.

Wenn Du als Tier wiedergeboren würdest – als welches kämst Du auf die Erde zurück?

Als Katze.

Welcher Künstlerkollege sollte Dein Porträt für die Nachwelt anfertigen?

Gerhard Richter. Wer sonst?!

Welches Buch hat Dich zuletzt begeistert?

Jessie Burton „Das Geheimnis der Muse“.

Dein bestes Live-Konzert aller Zeiten?

Das war ein Konzert von Hermeto Pascoal, ein brasilianischer Jazz-Avantgardist.

Wie hat Deine Familie reagiert, als Du Dich für das Künstlerdasein entschlossen hast?

Skeptisch bis tolerant.

Viele Künstler sind exzellente Köche. Deine besten Küchenkreationen?

Tajine und Caldo de Pescado.

Malt man besser odr anders, wenn man verliebt ist?

Nein.

Wäre Dein Werk Literatur, hätten wir es dann eher mit Lyrik, Prosa oder Drama zu tun?

Prosa.

Welche Pflanze spiegelt Deinen Sinn für Schönheit am ehesten wider?

Agapanthus.

Elon Musk sponsert Dir ein Ticket zum Mars. Traum oder Horrorvorstellung?

Bloß nicht!

Was war das Verrückteste, was Du je getan hast?

Mich der Kunst zu verschreiben.

 

(30works-Interview mit Mo Kilders)

Mo Kilders - Malerin
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