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Daniel Odermatt, Maler

Die dichte Atmosphäre seiner Seestücke.

Intim und stimmungsvoll sind seine Szenen, doch vieles bleibt bewusst rätselhaft.

Tosendes Meer, dunkle Wolken – ein Seestück. Doch ein überraschend greller Streifen am Horizont hebt das Motiv aus unserer Realität heraus. Wie ein automatischer Filter über ein Handy-Photo legt sich ein anderes Mal vom Bildrand aus ein Farbschleier über die Szenerie oder scheinen Bildelemente „falsch“ eingefärbt zu sein. Anhand einer maritimen Landschaftsmalerei – ein Genre, das seit Jahrhunderten zum festen Kanon der Kunstgeschichte gehört – referenziert Odermatt hier überraschend die Fotografie und digitale Prozesse, wie sie in unserer Lebenswelt alltäglich sind.

In Hinblick auf Daniel Odermatts Porträts ist beides tatsächlich auch für dessen Arbeitsweise unabdingbar. Jedem Gemälde liegt ein Foto zu Grunde, sei es ein zufälliger Schnappschuss oder eine bewusste Inszenierung. Am Computer entsteht daraus die fein differenzierte Komposition aus Figuren und Farbflächen. Das digital verfremdete Bild wird dann zum Ausgangspunkt von Odermatts Acrylmalerei.

Die dichte Atmosphäre seiner Seestücke findet sich auch in Odermatts Porträts. Zwischen den Figuren in unbestimmten Räumen aus Farbfeldern herrscht eine intime Stimmung. Doch ihre Beziehung zueinander bleibt ebenso rätselhaft wie die Handlung. Was ist passiert? Was tun die Personen? In welcher Beziehung stehen sie zueinander? Es herrscht eine merkwürdige Stille zwischen ihnen, jeder einzelne ist für sich isoliert. Ist dies vielleicht gar als ein Merkmal der Moderne zu bezeichnen? Schon der erste „Maler des modernen Lebens“, Édouard Manet, spielte im 19. Jahrhundert mit genau jener Separiertheit der Menschen voneinander. Daniel Odermatt überführt das Phänomen meisterhaft in unsere heutige Zeit und es scheint aktueller denn je.

Auch mit den Betrachtenden nimmt Odermatts geheimnisvolles Bildpersonal keinerlei Kontakt auf. Oftmals verbirgt der Maler Gesichter vor uns oder er lässt den Bildrand deren wichtigstes Element – die Augen – beschneiden. Wir werden zum Voyeur einer unerklärlichen Szene. Odermatts vielsagende, wenngleich kryptische, Titel öffnen nun die Tür für Emotionen und die faszinierenden Geschichten, die im Kopf des Betrachters entstehen.

Statt mit uns interagieren die Figuren zuweilen mit der Malerei selbst, zum Beispiel, wenn sie sich an Farbfeldern festhalten, mit ihnen verschmelzen oder sie gar vorhanggleich bewegen. Daniel Odermatts vollendetes Zusammenspiel von Realismus und Abstraktion findet hier seinen augenzwinkernden Höhepunkt.

Daniel Odermatt lebt und arbeitet in Landau, wo er auch von 2005 bis 2013 Bildende Kunst studierte. Er wurde bereits mit mehreren Kunstpreisen ausgezeichnet. So erhielt er 2012 den Pfalzpreis für Bildende Kunst in der Sparte Malerei und 2018 den Förderpreis für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises. Seine Werke sind regelmäßig in Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen.

Daniel Odermatt, Maler

2022

Discovery Art Fair / Frankfurt / 30works-Galerie

Kaufman, Odermatt, Reibel / Jockgrim / Zehnthaus

100 Jahre APK / Kaiserslautern / Museum Pfalzgalerie

2021

47. Kunsttage Detmold / Detmold / Stadthalle

2020

Kunstsalon Koblenz / Koblenz / Künstlerhaus Metternich

2019

Innenwelten / Landau / Galerie M

Anhaltspunkte / Weisenheim am Berg / Ehemalige Synagoge

das kleine Format / Mannheim / Galerie Kunstprojekte Monica Ruppert

davor, dazwischen und danach / Neustadt/Weinstraße / Kunstverein Herrenhof

jung + gegenständlich / Meersburg / Galerie Bodenseekreis

2018

Gewinner des Förderpreises für gegenständliche Kunst des Bodenseekreises 2018

Übergang / Mannheim / Kunstprojekte Monica Ruppert

jung + gegenständlich / Meersburg / Galerie Bodenseekreis

Elf vom Rhein / St. Florian (Österreich) / Stift St. Florian

aufgeladene Begegnungen / Hochstadt / Kunsthaus Désirée

2016

Ankunft / Kunstverein Neustadt an der Weinstraße / Villa Böhm

4 der Besten im Südwesten / Neustadt/Weinstraße / Kunstverein Herrenhof

Lieblingsstücke / Landau / Strieffler Haus

2015

Folgezeit / Königswinter / Atelier Meerkatze

NordArt / Büdelsdorf / Kunstwerk Carlshütte

2014

Gewinner des Fachjurypreises „Junge Künstler in der Villa“ des Kunstvereins Neustadt

Art van Demon: Daniel Odermatt / Heidelberg / Kulturhaus Karlstorbahnhof

Variation / Offenbach am Main / Galerie Thomas Hühsam

art Karlsruhe / Karlsruhe / Galerie Marianne Hennemann, Königswinter

 

2013

Gewinner des Perron-Kunstpreises in der Sparte Malerei (Förderpreis)

Zueinander / Kaiserslautern / Museum Pfalzgalerie

frische Kunst / Landau / Kunstverein Villa Streccius

Bildlabor / Tarnowskie Góry (Polen) / Galeria Pod-Nad

Bildlabor / Czestochowa (Polen) / ADJ Galeria

40. Kunsttage Detmold / Detmold / Stadthalle

KAMUNA – 15. Karlsruher Museumsnacht / Karlsruhe / Badische Landesbibliothek

Perron-Kunstpreis 2013 / Frankenthal / Kunsthaus Frankenthal

Bildlabor / Kaiserslautern / Museum Pfalzgalerie

Kunstpreis der Pfälzischen-Sezession / Neustadt/Weinstraße / Kunstverein Herrenhof

2012

Gewinner des Pfalzpreises für Bildende Kunst in der Sparte Malerei (Nachwuchspreis)

Junge Künstler in der Villa / Kunstverein Neustadt an der Weinstraße / Villa Böhm

Pfalzpreis für Malerei 2012 / Kaiserslautern / Museum Pfalzgalerie

2011

Gewinner des Förderpreises „Junge Kunst“ der Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde

Bildlabor / Neustadt/Weinstraße / Kunstverein Herrenhof

2010

„Auf dem Weg…“ / Mainz / Landtag

Daniel Odermatt, Maler

Was war dein Berufswunsch als Kind?

Das war definitiv Bauarbeiter. Es ist dann aber doch etwas anders gekommen…

 

Wie sieht für dich ein gelungener Arbeitstag aus?

Am gelungensten empfinde ich die Tage an denen ich malerische Fortschritte mache und es schaffe schwierige Stellen eines Gemäldes zu meiner Zufriedenheit fertigzustellen.

 

Und ein gelungener Tag ganz ohne Arbeit?

Zeit mit meiner Familie, Sport, Sauna und ein Spaziergang in der Natur.

 

Wenn du eine Figur in einem berühmten Gemälde wärst, wer wärst du dann?

Ich würde mich wahrscheinlich für Jan Vermeer in seinem Gemälde „die Malkunst“ entscheiden. Mich in sein Atelier in der Zeit des niederländischen Barock zu versetzen und mit seinem Wissen und Talent malen zu können, wäre unglaublich spannend und erkenntnisreich.

 

Was ist deine größte Inspirationsquelle?

Die Natur.

 

Berge oder Meer?

Das ist schwer zu sagen, da ich mich zu beidem hingezogen fühle. Müsste ich mich entscheiden wäre es aber glaube ich das Meer. Je nach Wetterlage und dem damit in Verbindung stehenden Farbenspiel und Wellengang lässt es in mir die unterschiedlichsten Gefühle und Emotionen aufkommen. Das finde ich sehr spannend und inspirierend.

 

Hast du Vorbilder?

Da gibt es einige. Aus künstlerischer Sicht gehören auf jeden Fall Jan Vermeer, Edouard Manet, Diego Velazquez und Gerhard Richter dazu.

 

Was machst du als erstes nach dem Aufstehen?

Anziehen, Zähneputzen und dann setze ich mich direkt mit einem guten Kaffee an die Staffelei.

 

Welche Musik macht dich nostalgisch?

Hip-Hop aus den 90ern und die Musik von Johnny Cash.

 

Welche Aufgabe im Leben würdest du gerne abgeben?

Putzen!

Was löst bei dir immer wieder aufs Neue Begeisterung aus?

Die witzigen und stellenweise faszinierend scharfsinnigen Aussagen meiner beiden Kinder.

 

Was liest du gerade?

„Schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahneman. Ein grandioses Buch über die menschliche Psyche und die vielen Illusionen auf die wir hereinfallen, beim Versuch mit dem Verstand die Welt zu erfassen. Sehr empfehlenswert!

 

Daniel Odermatt, Maler
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